In der deutschsprachigen Mediengeschichtsschreibung zeigt sich seit geraumer Zeit eine starke Tendenz hin zu Untersuchungen, die kleinere Zeiträume und eng eingegrenzte Gegenstände behandeln. Großangelegte mediengeschichtliche Darstellungen finden sich vor allem noch in für Studienanfängerinnen und -anfänger gedachten Einführungs- und Überblickswerken (bspw. Werner Faulstichs sechsbändige Mediengeschichte). Fachgeschichtlich gesehen markiert dies eine deutliche Abwendung von den vielbeschworenen Anfängen der modernen kulturwissenschaftlichen Medienhistoriografie etwa bei Harold A. Innis (Empire and Communications), Marshall McLuhan (The Gutenberg Galaxy) oder auch Friedrich Kittler (Aufschreibesysteme 1800 / 1900).
Nachdem Friedrich Kittler in Aufschreibesysteme 1800 · 1900 die Funktion von Lesefibeln zur Goethezeit untersucht hatte, legte er ein Jahr später seine eigene Lesefibel vor: Grammophon, Film, Typewriter von 1986 sollte als »richtiges Buch zum Blättern, zum Auslesen« (Kittler) in die Mediengeschichte einführen. Denn angesichts der »allgemeinen Digitalisierung von Nachrichten und Kanälen« sei mit einem baldigen Verschwinden einzelner Medien – wie des Begriffs Medium überhaupt – zu rechnen. Bloß für eine kurze Zwischenzeit gelte: »Aber noch gibt es Medien«.
Die Tagung nimmt das 30-jährige Jubiläum von Grammophon, Film, Typewriter zum Anlass, das geschichtliche Denken von Medien nach Maßgabe Kittlers und über dessen historische Arbeiten hinaus zu befragen. Welchen theoretischen und methodischen Prämissen folgte Kittlers Geschichte der technischen Medien? Und was bedeutet der mittlerweile realisierte »Medienverbund auf Digitalbasis« für mediengeschichtliche Analysen heute?
Es referieren Lorenz Engell, Paul Feigelfeld und Judith Willkomm.
Um Anmeldung wird gebeten.
http://www.medienkulturwissenschaft-bonn.de/abernochgibtesmedien/
Der von Norm Friesen herausgegebene Band "Media Transatlantic: Developments in Media and Communication Studies between North American and German-speaking Europe" ist erschienen! Er enthält eine Übersetzung einer überarbeiteten Version des Vorworts des Handbuchs Medienwissenschaft von Jens Schröter.
"Die Verwendung digitaler Verfahren und Technologien in der geisteswissenschaftlichen Forschungspraxis nimmt zu. Eine umfassende Reflexion dieses Prozesses ist nötig und sie steht noch aus. Es ist anzunehmen, dass Digitalität die Untersuchungsgegenstände in den Geisteswissenschaften, ihre Epistemologien und die Prämissen ihrer Erkenntnisansprüche, das disziplinäre Selbstverständnis der geisteswissenschaftlichen Fächer, wie auch deren Forschungspraktiken verändert."
Vom 26.5.-29.5. findet in der Villa Vigoni das diesjährige Kolloquium zu Digitalität in den Geisteswissenschaften statt. Prof. Dr. Jens Schröter ist eingeladen und freut sich schon sehr auf die interesannten Diskussionen.
Im Rahmen des ERASMUS+-Dozentenaustauschs reist Prof. Dr. Jens Schröter an die Universität Szeged und spricht dort über die disziplin-theoretischen Probleme der Definition von Medienwissenschaft und Visual Studies. Wie jedes Jahr ist ein reger Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen vom Department of Visual Culture and Literary Theory zu erwarten.
Die ab Heft 1/2015 von Prof. Dr. Jens Schröter als Hauptherausgeber zusammen mit dem Graduiertenkolleg "Locating Media" (Universität Siegen) und JProf. Benjamin Beil (Universität zu Köln) herausgegebene kultur- und medienwissenschaftliche Zeitschrift „Navigationen“ widmet sich in ihrer aktuellen Ausgabe (1/2016) dem Thema "Playin' the City. Artistic and Scientific Approaches to Playful Urban Arts".
An Theorien und Diskussionen über die Stadt mangelt es nicht, denn Städte dienen uns u.a. als Projektionsfläche zur Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit, der Gegenwart und unserer Zukunft. Diese Ausgabe 1 (2016) der Navigationen untersucht spielerische Formen dieser Auseinandersetzung in und mit der Stadt durch die sogenannten playful urban arts.
Nach intensiven Diskussionen ist das Programm für unseren Workshop am 30.06/01.07.2016 in Wien fertig. Außerdem freuen wir uns, dass ein erstes Konzept für die Projekt-Publikation entwickelt werden konnte. In den kommenden Wochen werden an dieser Stelle weitere Informationen veröffentlicht.
Prof. Dr. Jens Schröter hat am 28.1. an der École normale supérieure (Paris) einen Vortrag gehalten zum Thema "Media Marx. Media Studies and Marxian Theory today".